Buch-Vorstellung zum Gegenspiel

Michael Lawrence: Ausspiele
Gütersloh (Wolfram Publishing) 1999. 352 S. 39,90 DM

Michael Lawrence schreibt seit 20 Jahren über Bridge. Alfred Sheinwold bezeichnete sein erstes Buch "How to Read Your Opponents’ cards" in seiner Kolumne als Buch des Jahres. Sein letztes Buch "The Complete Book of Take Out Doubles" wurde mit dem Preis für das beste Buch des Jahres von der Amerikanischen Vereinigung der Bridgelehrer ausgezeichnet.

Michael Lawrence ist ein erfolgreicher, professioneller Bridgespieler. Er war dreimal im Team, das den Bermuda Bowl gewonnen hat, und zweimal im zweitplatzierten Team.

Inzwischen ist das Lehren von Bridge und die Entwicklung von Computer-Programmen, mit denen man Bridge lernen oder sein Bridge verbessern kann, Michaels Hauptanliegen geworden.

Dieses Buch ist eine Schule des Denkens über das Ausspiel zum 1. Stich. Es führt systematisch in die Methode ein: mit Hilfe der Reizung eine Rangordnung der Farben für den Angriff festlegen und in zweiter Linie die Kartenkombinationen in den Farben berücksichtigen. Anschaulich, leicht verständlich und unterhaltsam wird der Leser systematisch in alle typischen Ausspielprobleme eingeführt und durch 200 Übungen mit Lösung auf Erfolgskurs gebracht.


Leseprobe

Über das 1. Ausspiel nachdenken

Was denken Sie, wenn Sie eine Karte für das Ausspiel zum 1. Stich wählen müssen? Suchen Sie nach einer schönen Sequenz? Suchen Sie nach einem Single? Sind Sie glücklich, wenn Sie eine gute 5er-Farbe besitzen und gegen einen SA-Kontrakt angreifen müssen? Natürlich sind Sequenz, Single und 5er-Farbe eine Überlegung wert. Allerdings gilt es vor der Wahl, den wichtigsten aller die Entscheidung beeinflussenden Faktoren zu berücksichtigen:

Die Reizung


Süd ist Alleinspieler in 4 . Welche Karte spielen Sie mit der Westhand zum 1. Stich aus?

  10 8 3
  D B 10 7 2
  3
  A D 7 6

Die D sieht genauso verlockend aus wie die 3. Es mag auch gute Gründe für ein Trumpf-Ausspiel geben. Nur in der Treff-Farbe würde ich im allgemeinen nicht angreifen. Welche ist die beste Entscheidung? Noch wichtiger, wie kann man eine Entscheidung begründen?
An dieser Stelle der Überlegungen sollten Sie sich beschweren, daß etwas fehlt. Es fehlt die Reizung. Hätten Sie gedacht, daß die Reizung bei den Überlegungen zur Wahl einer Karte für das Ausspiel zum 1. Stich die wichtigste Rolle spielt?


  10 8 3
  D B 10 7 2
  3
  A D 7 6

    WEST

    NORD

    OST

    SÜD

1

passe

1

passe

2

passe

4

passe

passe

passe

 

Spielen Sie Ihr Karo-Single aus; eine klare Sache. Nord hat die Coeur-Farbe gezeigt, Sie werden dort keinen Stich entwickeln können, also suchen Sie auf Weiden, wo das Gras grüner ist. Für Treff-Angriff fehlt ein besonderer Grund.


  10 8 3
  D B 10 7 2
  3
  A D 7 6

    WEST

    NORD

    OST

    SÜD

1

passe

2

passe

3

passe

3

passe

4

passe

passe

passe

Spielen Sie Ihre D aus; ganz eindeutig. Nord hat eine Karo-Farbe und Süd eine Farbunterstützung in Karo gezeigt. Karo-Ausspiel kann einen Karo-Stich des Partners kosten. Für Treff liegt kein besonderer Grund vor.


  10 8 3
  D B 10 7 2
  3
  A D 7 6

    WEST

    NORD

    OST

    SÜD

1

passe

1SA

passe

2

passe

3

passe

3

passe

3

passe

4

passe

passe

passe

Greifen Sie in Trumpf an. Der Dummy wird 2 Pik-Karten und eine Coeur-Karte besitzen. Durch Ihr Ausspiel verhindern Sie einen oder sogar 2 Coeur-Schnapper mit den Trümpfen des Dummys. Es sieht so aus, als ob Nord über den Verlauf der Reizung nicht glücklich ist. Ich würde folgenden Tisch erwarten: Nord 9 4   8   K D 10 8 6 5 2   B 10 4.

Falls der Alleinspieler in der Lage ist, die Trümpfe der Verteidiger zu ziehen und danach viele Karo-Stiche 'von oben' abzuspielen, ist das Trumpf-Ausspiel ein Reinfall gewesen. Sogar ein gut begründetes Ausspiel kann sich schlecht auswirken.


  10 8 3
  D B 10 7 2
  3
  A D 7 6

    WEST

    NORD

    OST

    SÜD

1

passe

2

passe

3

passe

3

passe

4

passe

4

passe

4

passe

passe

passe

Greifen Sie mit dem A an. In der Reizung haben die Gegner Zusatzstärke und passende Figuren in 2 Nebenfarben gezeigt. Wahrscheinlich können Sie nur Stiche in Treff bekommen.

Die Beispiele sollen Sie zu der folgenden interessanten Schlußfolgerung führen:

Wenn Sie ausspielen müssen, lassen Sie die Reizung Revue passieren und entscheiden Sie - ohne auf Ihre Karten zu blicken -, in welcher Farbe Sie nach der Reizung zum ersten Stich ausspielen sollten. Schauen Sie erst danach in Ihre Karten und fahren Sie mit Ihren Überlegungen fort.